Ob am Tag oder in der Nacht, ob draußen oder in den eigenen vier Wänden – im Sommer sind Mücken scheinbar überall. Die lästigen Plagegeister wird man auch nicht so leicht los und sie können mitunter besonders aggressiv sein. Dafür könnte es einen ganz neuen Grund geben, wie Forschende jetzt entdeckt haben. Zum Glück haben sie aber auch eine mögliche Lösung parat.

Mücken wollen öfter zustechen, wenn ihre Opfer von Viren infiziert sind

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an der University of Connecticut haben sich den Zusammenhang zwischen bestimmten Viruserkrankungen Mücken näher angeschaut. Dabei wollten sie auf vorherige Erkenntnisse aufbauen, wonach die Insekten von Gerüchen angezogen werden. Auch war bereits beobachtet worden, dass an Malaria erkrankte Mäuse ein verändertes Duft-Profil aufwiesen.

Bei den Untersuchungen hat man unter anderem Mücken auf Mäuse mit oder ohne Dengue- und Zika-Viren losgelassen. Auffällig oft bewegten sich die Mücken dann zu den infizierten Nagern. Ähnlich verlief es auch bei Menschen: Auf die Hände einer Versuchsperson gab man jeweils die Duftmarke einer am Dengue-Fieber erkrankten Person und einer gesunden Person. Die Mücken präferierten konstant die Hand mit dem „kranken“ Duft.

Auch gut zu wissen: Neben dem Geruch gibt es auch eine visuelle Komponente. Wir verraten dir deshalb, welche Farben Mücken anziehen und die du besser nicht im Sommer tragen solltest.

Acetophenon zieht Mücken magisch an

Sowohl bei Tests mit Mäusen als auch Menschen fand man heraus, dass die gasförmige chemische Verbindung Acetophenon in besonders hohen Konzentrationen bei infizierten Testobjekten vorkam. Und dieser Stoff zog die Mücken besonders stark an. Dadurch musste er aber durch die Haut ausgesendet werden.

Bei einem Vergleich zwischen infizierten und gesunden Mäusen stellte man bei den kranken Tieren eine ungewöhnlich hohe Anzahl Bacillus-Bakterien fest, die wiederum zu den hauptsächlichen Acetophenon-Produzenten zählen. Daraus schlussfolgern die Forschenden, dass Viren den Duft des Wirtskörpers ändern, indem sie das Mikrobiom der Haut verändern.

Regulierendes Molekül wird durch Viren unterdrückt

Für gewöhnlich produziert nämlich eine gesunde Haut hohe Konzentrationen des Moleküls RELMα, das antimikrobiell wirkt. Bei kranken Mäusen stellte man nur sehr geringe Anteile von RELMα fest. Die Expertinnen und Experten nehmen an, dass dies durch die Viren-Infektion bedingt wurde und dadurch konnten sich Bacillus-Bakterien ungehemmt ausbreiten. Das führte zu einer hohen Acetophenon-Produktion, die Mücken anlockte.

Die Mücken saugen dann das Virus im Blut auf und geben es weiter. So übernimmt der Erreger einen aktiven Part bei seiner Verbreitung. In den Untersuchungen ging es hauptsächlich um Dengue- und Zika-Virusinfektionen. Unklar ist also, ob auch andere Viren für ähnliche Effekte sorgen können.

Was könnte dagegen helfen?

In ihren Untersuchungen überlegten sich die Forschenden auch, ob und wie der Virus-bedingte Mechanismus zu verhindern ist, der Mücken so sehr anzieht. Dazu wandte man sich dem Wirkstoff Isotretinoin zu. Dieser ist Teil des Vitamin-A-Metabolismus und trägt zur Produktion von RELMα bei.

Bei Versuchen mit Mäusen zeigte die Behandlung mit Isotretinoin ganz eindeutig Wirkung. Die RELMα-Konzentration nahm zu, die der Bacillus-Bakterien sank. Mücken reagierten daraufhin nicht aggressiver als bei anderen, uninfizierten Mäusen.

Als Nächstes stehen Tests mit menschlichen Kandidatinnen und Kandidaten auf dem Plan. Sollten diese positiv ausfallen, könnten in Zukunft einfache Therapien entwickelt werden. Diese könnten insgesamt dabei helfen, durch Mücken übertragene Virus-Infektionen zu reduzieren.

Quelle: „A volatile from the skin microbiota of flavivirus-infected hosts promotes mosquito attractiveness“ (Cell, 2022)

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